Stefanie Schaefer Interview

 

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                 Stefanie Schäfer
erreicht das Jungmusikerleistungsabzeichen in
Gold
am 3. November 2011


Stefanie beim Einspielen - wie immer gut gelaunt!

Exklusivinterview
 

Webmaster: Der Musikverein Weisweil beglückwünscht deinen Erfolg. Nach Katja Wößner und Katharina Ruf darfst du dich
jetzt auch zu den "Goldlingen" unseres Musikvereins zählen.
Du warst in den Herbstferien 5 Tage lang zu den Prüfungen an die Musikakademie nach Staufen gereist. Erzähle uns mal, wie wir es uns dort vorstellen können.

Stefanie: Die Musikakademie in Staufen ist ja der Sitz des Bundes Deutscher Blasmusikverbände. Fast jede Woche werden
dort Seminare rund um die Blasmusik abgehalten. Der Goldkurs findet jedes Jahr in den Osterferien und eben in den Herbst-
ferien statt. Im Prinzip ist dort ein großes Hotel für ca. 80 Leute mit einigen Seminarsälen, Orchesterräumen und Frühstücksräumen. Man teilt sich das Zimmer zu zweit. Ich hatte eine nette Zimmergenossin aus Heitersheim. Zu diesem
Goldkurs waren 73 Teilnehmer angereist aus dem ganzen südlichen Bundesgebiet im Alter von 16 bis 22 Jahren.

Webmaster: Wie läuft so ein Kurstag ab? Hattest du auch mal Freizeit?

Stefanie: Von Sonntag bis Dienstag liefen die Tage fast immer gleich ab: nach dem gemeinsamen Frühstück war gleich
für alle Musikkunde dran und anschließend Gehörbildung. Unser Kursleiter Herr Michael Stecher, der ja die Theoriebücher
für alle JMLA-Abzeichen verfasst, hat uns den Stoff auf unglaublich interessante Art und Weise vermittelt, sodass man das
vorher Erarbeitete noch einmal vertiefen konnte. Danach ging´s zum Praxis-Einzelunterricht - ich hatte die Dozentin Frau Victoria Tafferner, eine gebürtige Südafrikanerin, die Horn studiert hat, zugeteilt bekommen. Das freute mich besonders, da
Vicky 3 Jahre lang meine Lehrerin an der Musikschule Frieß war. Sie hat mich damals zum Silbernen geführt und seit 6 Jahren nicht mehr gesehen. Von ihr bekam ich noch viele Tipps für die Prüfung.
Nach dem Mittagessen wieder Gehörbildung, Einzelunterricht mit der Klavierbegleitung, danach wieder Musikkunde.
Na ja - abends war immer erst gegen 21.00 Uhr Schluss. Dann im Zimmer noch weiterbüffeln - bis irgendwann die Augen zufielen.
Freie Zeit gab´s eigentlich nie. Entweder wälzt du da das Gold-Theorie-Buch oder dudelst die Tonleitern rauf und runter, oder beschäftigst dich mit deinen Pflichtstücken. Aus allen Zimmern ertönten die Instrumente gleichzeitig. Schon sehr stressig.

Webmaster: Erklär uns mal die Theorie!

Stefanie: Für Bronze und Silber gibt es ja ein Michael-Stecher-Buch für Musiklehre und Gehörbildung. Für Gold ist das Buch dreimal so dick und beinhaltet nur Fragen zur Musiklehre. Da beschäftigt man sich mit Intonationskunde, Stil- und Vortrags- lehre, Intervall- und Tonsystemen und speziellen musikalischen Fachwörtern, wie z.B. das Skandieren.
Also mit Tonleitern aufschreiben oder Intervalle bestimmen ist beim Gold nichts mehr dabei.
Die Gehörbildung baut auf dem Silber-Niveau auf. Da gibt es keine Unterlagen für. Rhythmusdiktate und Melodiediktate
habe ich mir selbst angeeignet - da kommt mir mein Neigungskurs Musik im Gymnasium Kenzingen entgegen. Fast alle
Klausuren dort beinhalten diese auch. Man kann also sagen, dass der Theoriestoff vom Abzeichen in Gold schon dem Abitursstoff gleicht. Hören muss man da schwierige Akkorde, Schwebungen und Differenztöne usw.

Webmaster: Dann gibt es ja da auch noch eine Praxis abzulegen. Waren die Stücke schwer?

Stefanie: Für die Praxisprüfung muss man sämtliche Duren, 9 Molltonleitern (jede hat 3 verschiedene Formen) und die
chromatische Tonleiter auswendig können. Ein Vom-Blatt-Spiel ist genau wie bei den anderen Abzeichen auch wieder dabei. Davor hat man am meisten Angst, da man ja nicht weiß, was die Prüfer einem da vorlegen.
Meine 3 Pflichtstücke waren "Air Poétique for Horn and Band" v. Ted Huggens
                                               "Concerto KV 447" von W.A. Mozart
                                               "Sonata" von Eccles
Alle mit Klavierbegleitung. 
Die Stücke waren technisch sehr anspruchsvoll und in der Prüfung gibt es ja noch Punkte für den musikalischen Ausdruck,
Intonation, Rhythmik und ein Mozartstück muss halt irgendwie nach Mozart klingen. Auf die Interpretation wird doch sehr
viel Wert gelegt. Die "Sonata" im 3/8-Takt war von oben bis unten voll mit Sechzehntelnoten, schwierigen Intervall- sprüngen, da weißt du nicht, wann du mal Luft holen sollst und Vivace steht auch noch drüber! 

Webmaster: Wie lange hattest du dich auf diese "Mission Gold" vorbereitet und bei wem hattest du Unterricht?

Stefanie: Seit eineinhalb Jahren habe ich die Stücke mit meinem Lehrer von der Musikschule Frieß, Herrn Udo Schmitz vorbereitet. Der Freiburger hat Musikpädagogik studiert und spielt Horn beim Basler Symphonieorchester.
Ich habe in dieser Zeit wirklich fast täglich eine Stunde geübt, bis ich fast alles sogar auswendig konnte. Manchmal war es
echt schwer, Motivation aufzubringen. Doch da musste ich halt durch, um das Ziel zu erreichen. Zu einem Goldenen Ab-
zeichen gehst du nicht einfach mal hin und probierst es - du musst erst vor dem Verbandsjugendleiter (das war bei mir
Herr Michael Bockstahler vom Oberbadischen Blasmusikverband) vorspielen. Er entscheidet, ob du dich in Staufen an-
melden darfst oder nicht.

Webmaster: Nun zu den Prüfungstagen in Staufen am Mittwoch und Donnerstag. Warst du aufgeregt?

Stefanie: Also Mittwoch war noch mal der ganze Tag voll mit Übeeinheiten.
Dazwischen um 10.00 Uhr war die Prüfung der Tonleitern und das Vom-Blatt-Spiel.
Tonleitern liefen gut für mich. Das Vom-Blatt-Spiel: ein 5/4-Takt, gespickt mit reichlich Synkopen und Sechzehntelpausen.
So ein irres Ding hatte ich vorher noch nie gesehen! Bin aber super zurecht gekommen. Weiß selber nicht, wie ich das gemacht hab!
Um 19.00 Uhr (die meisten von uns gähnten schon) waren Gehörprüfung und die Musiklehreprüfung angesagt.
Eineinhalb Stunden schwitzen und sich noch mal wahnsinnig konzentrieren. Da muss ich jetzt durch, dachte ich.
Besonders die zwei Rhythmusdiktate und die zwei Melodiediktate waren irre schwer, da sie vor allem sehr sehr schnell diktiert wurden. In der Schule sind die immer wesentlich langsamer.
Aufgeregt? Nö, das bin ich nie! Die andern haben mich um meine Ruhe beneidet.

Webmaster: Du hast jetzt noch nicht vom Donnerstag erzählt. Da musstest du doch die Prüfungsstücke vorspielen, oder?

Stefanie: Genau! Am letzten Tag waren praktische Prüfungen von 8.30 - 18.30 Uhr. Einer nach dem anderen. Theorie und Tonleitern waren rum. Alle konzentrierten sich nun auf ihren Vortrag. Man merkte allen an, dass die Nerven blank lagen. Besonders die, die erst spät mittags eingeteilt waren, wussten nicht wie sie den Tag bis dahin verbringen sollen. Die meisten gingen in die Stadt. Meine Mitbewohnerin hatte Mathehausaufgaben dabei.
Nun ja - ich jedenfalls hatte das große Los gezogen. Als Dritter um 9.00 Uhr durfte ich bereits dran.
Die Prüfer waren alle sehr nett. Jedoch war es eine komisch angespannte Atmosphäre in dem riesigen leeren Orchestersaal.
Meine zwei Stücke erklangen ohne viele Fehler. Ich merkte schon nach wenigen Takten, dass ich heut gut drauf bin.
Frau Izumi Wagner aus Endingen hat mich am Piano begleitet.
Meine Mama war extra angereist und war mit anwesend - das hat mich zusätzlich motiviert und hat mir Kraft gegeben.
Nach einer Spielzeit von 15 Minuten war´s dann vorbei. Ohne ein Wort der Prüfer verlässt du dann den Saal.

Webmaster: Also die Ergebnisse hast du nicht sofort erhalten?

Stefanie: Leider nein. Erst abends um 19.00 Uhr war die Bekanntgabe der Ergebnisse. Hierzu waren die Angehörigen der
Prüflinge eingeladen. Es war eine sehr schöne feierliche Veranstaltung mit über 200 Personen. Meine Eltern waren sehr
stolz, als ich aufgerufen wurde und nach vorne kommen durfte und ich sehr erleichtert, denn ganz sicher ob du bestanden hast, konntest du echt nicht sein. In der Theorie verlierst du mit kleinsten Fehlern schon viele wichtige Punkte.
Danach wollten alle einfach nur noch heim. Tumult am Auschecken an der Rezeption. 73 Goldlinge mit ihren Koffern. Ich war einfach nur platt.

Webmaster: Und was macht man nun so mit einem Gold in der Tasche?

Stefanie: Nun, für viele ist dies ja ein Grundstein für einen beruflichen Werdegang. Man kann sich jetzt an Musikhoch- schulen bewerben und man hat jetzt auch Zugang zu anderen Kursen an der Musikakademie. Mal schauen.....
Ich jedenfalls freue mich riesig auf das nächste Jahreskonzert am 21.1.2012, an dem ich die Urkunde und die Nadel überreicht bekomme. Die Urkunde hänge ich an die Wand zu den anderen und die Nadel schmückt dann meine Uniform.

Webmaster: Danke für das ausführliche Gespräch. Nochmal herzlichen Glückwunsch! Der Musikverein ist stolz auf dich.

Stefanie:  Dankeschön! Danke hier auch an meine Eltern, die mich auf meinem langen Weg zu Gold begleitet haben.
 


                                                   Stefanie (vorne, dritte von rechts) bei der Bekanntgabe der Ergebnisse

 


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